Diversity of Life
Dr. Giselle Camargos Becker

Etwas Persönliches



Ich wurde in Belo Horizonte, Brasilien, geboren und bin im Januar 2002 auf Grund meiner Heirat mit meinem deutschen Ehemann nach Deutschland umgezogen. In jener Zeit konnte ich kein Wort Deutsch reden oder schreiben: Ich beherrschte Portugiesisch, Englisch und Spanisch. Deutschland war mit seinen Sitten, Kulturen und Regelungen für mich ein ganz neues Land. 


Da ich von Anfang an einen Deutschkurs an der VHS Mainz besucht hatte, war ich auch sofort mit Personen aus der ganzen Welt in Kontakt. All das hat mich sehr bereichert und meine interkulturellen Kompetenzen erhöht. Hinzu kommt, dass ich während meiner juristischen Ausbildung aus eigenem Interesse ständig interdisziplinär gearbeitet und somit Erfahrung in der Arbeit mit Personen aus anderen Fachbereichen gesammelt habe. Dadurch hat sich meine Sicht der Welt erweitert. 


Ich bin eine neugierige Person und deswegen forsche und beschäftige ich mich sehr gerne mit neuen Themen und Wissensgebieten, wie meinem Werdegang zu entnehmen ist. Ein Beispiel dafür ist mein Buch (Dissertation), für das ich mich in verschiedene Fachbereiche wie z.B. Sozialpsychologie, Journalismus, Telekommunikation, Volkswirtschaft und Medienproduktion einarbeiten musste, um eine interdisziplinäre Doktorarbeit schreiben zu können.


Genauso wie ein positives Menschenbild gehört auch der Glaube an die Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders schon immer zu meiner inneren Einstellung. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation zu werden, einer Technik, die dem Menschen erlaubt, friedlicher mit sich selbst und seinen Mitmenschen umzugehen.


Außerdem bin ich sehr interessiert, Menschen bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu unterstützen. Daher habe ich Aus-/Fortbildungen im psychologischen Bereich besucht, um einen noch professionelleren Umgang mit Menschen zu erwerben. Ich habe nicht nur eine Ausbildung zur Familien- und Konfliktberaterin/Mediatorin nach der Transkulturellen und Positiven Psychotherapie von Prof. Dr. Peseschkian absolviert, sondern auch die Erlaubnis zur Heilpraktikerin für Psychotherapie erhalten. Bei meiner Arbeit helfe ich den Menschen am liebsten in konkreter Form, indem ich Hilfe zur Selbsthilfe leiste und Ihnen Werkzeuge an die Hand gebe, mit denen Sie ihre Probleme alleine meistern können.


Im Sinne des Wohlergehens des Menschen, das mir ein sehr wichtiges Anliegen ist, habe ich während meiner juristischen Ausbildung, je nach Möglichkeit, einen Schwerpunkt auf die Menschenrechte gelegt. Selbstverständlich berücksichtigte ich ihre Machbarkeit und die Effektivität ihrer Umsetzung unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit. Dabei wurde auch die Verbindung mit der diesbezüglichen verfassungs- und völkerrechtlichen Verantwortung des Staates nicht vergessen. Dies zeigt sich beispielsweise in meinem Buch, in dem ich sogar die Problematik der Diskriminierung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen durch die brasilianischen Massenmedien behandelt habe.


Soziale Verantwortung sowie einen Beitrag zur Bereicherung des Gemeinschaftslebens zu leisten, war für mich schon immer selbstverständlich. Seit meinem Jugendalter bin ich in verschiedenen Projekten ehrenamtlich engagiert, sei es in einem Projekt in einer Kindertagesstätte in den Slums von Brasilien, sei es als Mitglied in Vereinen und Projekten zur Unterstützung von sozial Benachteiligten und Bildungsmaßnahmen, sowie dem Umweltschutz.


Seit meiner Kindheit begleitet mich eine Sehbehinderung, die sich mit der Zeit so verschlechterte, dass sie schon im Gymnasium als Schwerbehinderung klassifiziert wurde. Es handelt sich um eine Art von Makuladegeneration, die es mir kaum erlaubt, scharf zu sehen. Zur Orientierung benutze ich deswegen vor allem die periphere Sehkraft. Das hat mich so geprägt, dass ich alles zuerst ganzheitlich betrachte, aber wenn es sehr wichtig ist und ein scharfer Blick verlangt wird, ich es unter die Lupe nehme.

 

Regelungen über Inklusion gab es zu jener Zeit nicht. Daher musste ich mit allen Lehrer*n*innen, allen Professor*en*innen und jeder Bildungsinstitution, bei denen bzw. der ich studierte oder etwas gelernt habe (Fremdsprachen und Hobbys), besondere Bedingungen wegen der Sehbehinderung aushandeln. Ab der 5. Klasse war ich schon in der Lage, dies ohne Unterstützung meiner Eltern zu bewerkstelligen.


Bei der Wahl meiner Tätigkeit war es mir wichtig, Berufung, Selbstverwirklichung und meine fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen zu verbinden. Es liegt mir am Herzen, die Leute zu verstehen, mich in ihre Lage zu versetzen (Empathie), die Unterschiede in der Weltanschauung zu erkennen und zu akzeptieren, sowie die Brücken zwischen diesen Welten zu bauen.